
Die Dokumentation
Josh Wander, Mitgründer und früherer Vorstandschef der Investmentfirma 777 Partners aus Miami, hat sich am 15. Oktober 2026 in je einem Anklagepunkt des Überweisungsbetrugs und des Wertpapierbetrugs schuldig bekannt, wie Bloomberg und die Nachrichtenagentur AP berichteten. Das Geständnis legte er vor Bundesrichter J. Paul Oetken in Manhattan ab.
Nach Angaben der Bundesstaatsanwaltschaft für den Southern District of New York willigte Wander ein, mindestens 500 Millionen Dollar an Erlösen aus dem Betrug einziehen zu lassen. Laut AP sagte er zudem zu, Anlegern 500 Millionen Dollar Schadenersatz zu zahlen. Bis zur Strafmaßverkündung am 1. März 2027 bleibt er gegen Kaution auf freiem Fuß.
Von Vergleichsrenten zu Fußballklubs
777 Partners begann mit dem Ankauf und der Finanzierung sogenannter Structured Settlements: künftiger Zahlungsströme, meist aus Rechtsstreitigkeiten, die gegen eine Einmalzahlung verkauft werden. Laut Anklage stieg Wander später in Fluggesellschaften und Profisport ein, ohne über das Geld für diese Übernahmen zu verfügen, und ließ stattdessen zweckgebundene Mittel der Kreditgeber aus diesem Geschäftsbereich verwenden.
Ab 2021 beteiligte sich die Firma laut AP unter anderem an Hertha BSC in Deutschland, Genua in Italien, Standard Lüttich in Belgien und Vasco da Gama in Brasilien. Der Versuch, den englischen Klub Everton zu übernehmen, scheiterte 2024.
Doppelt verpfändete und erfundene Sicherheiten
Nach der Darstellung der Staatsanwaltschaft, gestützt auf die Anklageschrift und weitere Unterlagen, verpfändete Wander Kreditgebern Forderungen im Wert von Hunderten Millionen Dollar, die 777 Partners nie erworben oder bereits anderen Gläubigern verpfändet hatte. Um die Lücke zu verdecken, ließ er Kontoauszüge digital so verändern, dass sie Barmittel auswiesen, die die Firma nicht besaß.
2021 und 2022 sammelte er über den Verkauf von Vorzugsanteilen an 777 Partners und einer verbundenen Gesellschaft mehr als 200 Millionen Dollar bei externen Investoren ein und stellte dabei die Finanzlage der Firma falsch dar. Im März 2022 erhielt er einen Kredit über 20 Millionen Dollar, nachdem er dem Geldgeber Dutzende manipulierte Kontoauszüge vorgelegt hatte; laut Staatsanwaltschaft hatte er Millionen der veruntreuten Mittel für Optionsgeschäfte ausgegeben.
Im März 2023 geriet das System ins Wanken, als ein Kreditgeber ihn mit doppelt verpfändeten Vermögenswerten konfrontierte. Laut Anklage schob er dies zunächst auf ein veraltetes Computersystem und beteuerte später, die Doppelverpfändung sei versehentlich geschehen. 2024 trat er als Vorstandschef zurück.
Ein paralleles Zivilverfahren
Am 16. Oktober 2025, dem Tag, an dem die Strafanklage bekannt wurde, reichte die Börsenaufsicht SEC Zivilklage gegen Wander, Mitgründer Steven Pasko, den früheren Finanzchef Damien Alfalla sowie 777 Partners und 600 Partners ein. Die SEC wirft ihnen vor, Anlegern einer Vorzugsanteilsemission über 237 Millionen Dollar eine jährliche Dividende von 10 Prozent in Aussicht gestellt zu haben, während sich die Liquiditätskrise der Firmen verschärfte; rund 33 Millionen Dollar Anlegergeld seien an Wander und Pasko persönlich geflossen. Die Mitteilung der SEC verzeichnet keinen Ausgang dieser Vorwürfe.
Die Stellungnahmen
Vor Gericht sagte Wander laut AP, er habe damals gewusst, dass sein Handeln falsch gewesen sei, und es tue ihm „zutiefst leid“. US-Bundesstaatsanwalt Jamie McDonald erklärte, Wander habe seine Firma benutzt, um „Hunderte Millionen Dollar von privaten Gläubigern und Investoren zu stehlen“, unter anderem zur Finanzierung der Fußballklubs.
Luca Albertini, Chef des Kreditgebers Leadenhall Capital Partners, der 777 Partners 2024 verklagt hatte, sagte laut dem Fachdienst Artemis, das Geständnis „bekräftige die Vorwürfe“ seines Hauses; man werde die Rückforderung weiter auf dem Rechtsweg verfolgen. Dieses Zivilverfahren ist noch anhängig.
Offene Fragen
Wie viel der 500 Millionen Dollar lässt sich tatsächlich zurückholen, und aus welchen Vermögenswerten? Wie viel Geld der Kreditgeber erreichte die einzelnen Klubs, und wusste einer von ihnen, woher es stammte? Und wie werden die gesonderten Vorwürfe der SEC gegen die übrigen Beklagten ausgehen?
Wander hat zwei Anklagepunkte gestanden, für die jeweils bis zu 20 Jahre Haft drohen; das Strafmaß legt der Richter fest. Die hier zusammengefasste Beschreibung des Betrugs beruht auf der Darstellung der Staatsanwaltschaft und der Klageschrift der SEC. Die übrigen im Zivilverfahren genannten Personen wurden nicht haftbar gemacht; die Vorwürfe gegen sie sind unbewiesen.
Auf Grundlage von Berichten von: Bloomberg · 15. Oktober 2026; Associated Press · 15. Oktober 2026; Artemis · Stellungnahme von Leadenhall · Oktober 2026; US-Bundesstaatsanwaltschaft SDNY · Schuldbekenntnis Wander · 15. Oktober 2026; US-Börsenaufsicht SEC · Litigation Release 26419.
Quelldokumente
05- Bloomberg · 15. Oktober 2026Kein öffentlicher Link angegeben
- Associated Press · 15. Oktober 2026Kein öffentlicher Link angegeben
- Artemis · Stellungnahme von Leadenhall · Oktober 2026Kein öffentlicher Link angegeben
- US-Bundesstaatsanwaltschaft SDNY · Schuldbekenntnis Wander · 15. Oktober 2026justice.gov
- US-Börsenaufsicht SEC · Litigation Release 26419sec.gov
Dossier-Aktualisierungen
Bericht veröffentlicht
Recherche läuft
Redaktioneller Recherchestatus erfasst.
Redaktioneller Hinweis
Dieses Recherche-Briefing fasst die Berichterstattung von Bloomberg, AP und Artemis sowie die zitierten Unterlagen der Bundesstaatsanwaltschaft und der SEC zusammen. The Ledgers hat die Gerichtsakten des Verfahrens nicht unabhängig geprüft; Zitate stammen aus dieser Berichterstattung und den amtlichen Mitteilungen. Die Vorwürfe im Zivilverfahren der SEC sind nicht gerichtlich entschieden. Die Illustration ist KI-generiert und zeigt kein tatsächliches Ereignis und keine reale Person.
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